Wer wäre prädestinierter, als das Vorstandsmitglied des HVV und Verleger in Ruhe, Dr. Michael Vogt die Begegnung mit Texten von Ernst Jandl vorzustellen.
Dieser hatte regelmäßig am Bielefelder Coloquium Neue Posie teilgenommen, wo Herr Dr. Vogt ihn und seine Arbeit persönlich kennenlernen konnte, woraus eine besondere Nähe zum Autor und Sprachenkünstler erwuchs.
Der Referent skizzierte zunächst Jandls Anfänge als Literat, u.a. als Vertreter der Konkreten Poesie, und entwarf anschließend eine Analyse des wohl bekanntesten Jandl-Gedichts 'ottos mops'. Dabei zeigte sich, dass selbst dieser Nonsense-Text auf der lautlichen Ebene äußerst genau gearbeitet ist. Ähnliche poetische Präzision wies er bei der Analyse von 'wien: heldenplatz' nach, wo anstelle ganzer Wörter nur Bedeutungsfetzen aneinander montiert sind, die aber als 'Facettenmosaik' den Augenblick atmosphärisch beschreiben, als Hitler beim 'Anschluß' Österreichs in Wien auftrat.
Im weiteren Verlauf stand die von Jandl so bezeichnete 'heruntergekommene Sprache' im Mittelpunkt.
Der Autor habe damit seit Mitte der 1970er Jahre ein neues poetisches Ausdrucksmittel entwickelt. Schließlich wurde Jandls seelische Verfassung in den Blick genommen, die u.a. von massiven Selbstzweifeln als Dichter bestimmt war.
Die anspruchsvollen Texte und Ausführungen zum Leben und Wirken des bedeutenden deutschsprachigen Autors des 20. Jahrhunderts faszinierten und berührten das Publikum in der Buchhandlung Maschke. Der Applaus sprach für sich.
Der Vortrag fand am 09.06.2026 um 18:30 Uhr in der Buchhandlung Maschke, Bad Salzuflen, Osterstraße 48 statt.

